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Führung akademischer Grade und Titel in Österreich

Österreichische akademische Grade

Österreichische akademische Grade werden nach Abschluss eines ordentlichen Studiums an Universitäten, Fachhochschulen, Privatuniversitäten, Pädagogischen Hochschulen, eines Universitätslehrgangs, eines Lehrgangs zur Weiterbildung, eines Hochschullehrgangs oder eines Lehrgangs universitären Charakters vergeben. Rechtsgrundlage für die Verleihung von akademischen Graden sind das Universitätsgesetz 2002, das Fachhochschul-Studiengesetz sowie das Hochschulgesetz 2005.

Österreichische akademische Grade im dreistufigen Bologna-System

Bachelor

Die Studiendauer beträgt sechs Semester und das Studium schließt mit dem akademischen Grad „Bachelor“ (übergangsweise auch Bakkalaureus) ab. Bachelorgrade werden von Universitäten, Pädagogischen Hochschulen bzw. Fachhochschulen vergeben.

Im Gegensatz zum alten System mit Diplom- und Magisterabschlüssen müssen Absolventen von Fachhochschulen, denen der neue akademische Grad Bachelor verliehen wurde, den Zusatz (FH) nicht mehr führen. Absolventen, denen im dreistufigen System bereits der akademische Grad Bakkalaureus verliehen wurde, dürfen den neuen akademischen Grad Bachelor führen, sobald die Universität oder Fachhochschule diesen Grad verleiht. An Pädagogischen Hochschulen wird der akademische Grad "Bachelor of Education", abgekürzt "BEd", verliehen.

Abkürzung: B. …, z.B. BSc (Bachelor of Science), BA (Bachelor of Arts)

Master

Die Studiendauer beträgt acht bis zehn Semester und das Studium schließt mit dem akademischen Grad „Master“ ab. Mastergrade werden von Universitäten und Fachhochschulen vergeben. Mastergrade können auch durch den erfolgreichen Abschluss eines Universitätslehrgangs, eines Lehrgangs zur Weiterbildung, eines Hochschullehrgangs oder eines Lehrgangs universitären Charakters erworben werden. Der „Master“ ersetzt den akademischen Grad des Magisters. Im Gegensatz zum alten System mit Diplom- und Magisterabschlüssen müssen Absolventen von Fachhochschulen, denen der neue akademische Grad Master verliehen wurde, den Zusatz (FH) nicht mehr führen. Absolventen, denen im dreistufigen System bereits der akademische Grad Magister verliehen wurde, dürfen den neuen akademischen Grad Master führen, sobald die Universität oder Fachhochschule diesen Grad verleiht.

Abkürzung: M…, z. B. MSc (Master of Science), MA (Master of Arts)

Doktor / Doctor of Philosophy (Ph.D.)

Dauer: Magister, Diplom oder Master und unter besonderen Voraussetzungen auch Bachelor und Magister (FH), plus 3 bis 6 Jahre.

Abkürzung: Dr., sowie ein die ungefähre Richtung des Studiums kennzeichnender lateinischer Zusatz (etwa. Dr. rer. nat. für Doktor der Naturwissenschaften).

Ausnahmen: Die nach Abschluss des Human- und Zahnmedizinstudiums verliehenen akademischen Grade Dr. med. univ. und Dr. med. dent. entsprechen Diplomgraden. Die korrekte Bezeichnung nach Abschluss des medizinischen Doktoratsstudiums lautet Doktor/Doktorin der gesamten Heilkunde und der medizinischen Wissenschaft (Dr. med. univ. et scient. med.)

Der Doctor of Philosophy (Ph.D.) kann alternativ statt dem traditionellen Doktorgrad (Dr.) vergeben werden. Zwischen Ph.D. und Doktor besteht kein Unterschied in der Wertigkeit. Der Doktor ist der höchste akademische Grad.

Der Doktor kann auch ehrenhalber (lat. honoris causa) (Dr. h.c.) vergeben werden. Dieser stellt jedoch keinen akademischen Grad dar und ist in der Folge auch nicht in Urkunden eintragungsfähig.

Führung österreichischer akademischer Grade

Die Führung akademischer Grade ist durch das Universitätsgesetz 2002 (UG 2002), das Universitätsakkreditierungsgesetz (UniAkkG) und das Fachhochschul-Studiengesetz (FHStG) geregelt.

Definition

Unter "Führung" wird verstanden, dass man sich selbst als Träger eines akademischen Grades in der Öffentlichkeit zu erkennen gibt, z.B. durch Eintragung des Grades auf der Visitenkarte oder auf dem geschäftlichen Briefpapier, aber auch durch mündliche Äußerungen.

Form

Das Universitätsgesetz 2002 lässt den Gebrauch im privaten Verkehr und die Verwendung im Verkehr mit Behörden zu, sofern es sich um akademische Grade handelt, die von anerkannten inländischen oder ausländischen postsekundären Bildungseinrichtungen verliehen wurden.

Dabei ist der jeweilige akademische Grad in der authentischen Form zu führen, die aus der Verleihungsurkunde hervorgeht. Wurde der Magistergrad einer Fachhochschule mit dem Zusatz (FH) verliehen, darf dieser Zusatz bei der Führung des Grades nicht weggelassen werden.

Akademische Grade werden auf Wunsch in amtliche Urkunden (z.B. Ausweise) eingetragen. Die akademischen Grade Mag., Dr. und DI bzw. Dipl.-Ing. sind dann dem Namen voranzustellen, andere akademische Grade, wie z.B. Bakk., Ph.D., Bachelor- und Mastergrade, sind nachzustellen (§ 88 Abs. 2 Universitätsgesetz 2002). Dabei ist eine „aufsteigende“ Reihenfolge üblich, also z.B. Mag. Dr. Hans Müller und nicht Dr. Mag. Hans Müller.

Führbarkeit ausländischer Grade

Ausländische akademische Grade können nach denselben Regeln wie inländische akademische Grade geführt werden. Wesentliche Voraussetzung für die Führbarkeit eines ausländischen akademischen Grades ist die Verleihung durch eine anerkannte ausländische postsekundäre Bildungseinrichtung, d.h. eine Institution, die von den zuständigen Stellen desjenigen Staates, zu dessen Bildungssystem sie gehört, als postsekundäre Bildungseinrichtung anerkannt ist. Die Eintragung in Urkunden ist jedoch nur für akademische Grade aus EU- und EWR-Staaten sowie der Schweiz möglich.

Die Form, in der ein ausländischer akademischer Grad geführt werden darf, ergibt sich aus der ausländischen Verleihungsurkunde, wobei alle offiziell zugelassenen Alternativen – Langfassung, Abkürzung u.a. – in Frage kommen. Die verleihende Institution braucht nicht beigefügt werden. Ob ein akademischer Grad dem Namen voran- oder nachzustellen ist, entscheidet sich nach den Regeln des Staates, in dem die Verleihung erfolgt ist.

Nicht gestattet ist die Umschreibung des ausländischen akademischen Grades in einen entsprechenden bzw. ähnlichen österreichischen akademischen Grad. Wenn die Form des ausländischen akademischen Grades gleich lautend mit der Form eines österreichischen akademischen Grades ist, kann diese Form verwendet werden, ohne jedoch die Rechte des österreichischen akademischen Grades zu entfalten.

Wenn ein ausländischer akademischer Grad in Österreich nostrifiziert wurde, ist an Stelle dieses Grades der entsprechende österreichische akademische Grad zu führen.

Eintragung akademischer Grade in Urkunden

Die Möglichkeit, akademische Grade in Urkunden eintragen lassen zu können, ergibt sich aus den Eintragungsrichtlinien 2007 des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Republik Österreich sowie der entsprechenden österreichischen Gesetze.

Gemäß § 88 Absatz 1 des Universitätsgesetzes 2002, haben Personen, denen von einer anerkannten inländischen oder ausländischen postsekundären Bildungseinrichtung ein akademischer Grad verliehen wurde, das Recht, diesen in der in der Verleihungsurkunde festgelegten Form zu führen. Dazu gehört auch das Recht, die Eintragung in abgekürzter Form in öffentliche Urkunden zu verlangen.

Strafbarkeit bei unbefugter Führung

Die Strafbarkeit unberechtigter Titelführung ist im § 116 Universitätsgesetz 2002 geregelt. Absatz 1 besagt, dass derjenige, welcher vorsätzlich

  1. eine dem inländischen oder ausländischen Hochschulwesen eigentümliche Bezeichnung oder
  2. einen oder mehrere inländische akademische Grade oder
  3. eine den inländischen oder ausländischen akademischen Graden oder Titeln gleiche oder ähnliche Bezeichnung unberechtigt verleiht, vermittelt oder führt,

eine Verwaltungsübertretung begeht, die von der örtlich zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde mit einer Geldstrafe bis zu 15 000 Euro zu bestrafen ist, wenn die Tat nicht den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet oder nach anderen Verwaltungsbestimmungen mit strengerer Strafe bedroht ist.

(2) Unberechtigt ist die Verleihung, Vermittlung oder Führung insbesondere dann, wenn der akademische Grad oder die gleiche oder ähnliche Bezeichnung

  1. von einer Einrichtung stammt, die einer postsekundären Bildungseinrichtung nicht gleichrangig ist;
  2. von einer Einrichtung stammt, die vom Sitzstaat nicht als postsekundäre Bildungseinrichtung anerkannt ist;
  3. nicht auf Grund entsprechender Studien- und Prüfungsleistungen oder wissenschaftlicher oder künstlerischer Leistungen erworben wurde;
  4. nicht auf Grund des wegen wissenschaftlicher oder künstlerischer Leistungen hohen Ansehens in Fachkreisen oder wegen hervorragender Verdienste für die wissenschaftlichen oder kulturellen Aufgaben der postsekundären Bildungseinrichtung ehrenhalber verliehen wurde.